Gesellschaftliche Veränderungen und globale Krisen hinterlassen Spuren
Menschen mit Behinderung erfahren die meiste gesellschaftliche Akzeptanz, niedrige Werte für ethnische Herkunft und Religion
Besonders stabil bleibt die Zustimmung beim Aspekt Behinderung, der weiterhin die höchsten Werte erzielt (82 Punkte). Es zeigt sich, dass Menschen mit Behinderung im Vergleich zu anderen Vielfaltsgruppen häufig mehr Empathie entgegengebracht wird. Auch die Einstellung gegenüber dem Lebensalter bleibt weitgehend konstant (71 Punkte). Beim Thema Geschlecht ist sogar ein positiver Trend zu verzeichnen – hier steigt die Akzeptanz um fünf Punkte auf 74 Skalenpunkte. Im Gegensatz dazu verliert die Dimension sexuelle Orientierung rund acht Punkte (auf 69 Punkte) und verzeichnet damit einen spürbaren Rückgang.
Noch kritischer wird die ethnische Herkunft bewertet: Im Bundesschnitt sinkt die Zustimmung um bis zu 17 Punkte – der stärkste Rückgang aller untersuchten Dimensionen. Auch die Akzeptanz gegenüber Religion ist stark rückläufig. Mit einem Bundesdurchschnitt von lediglich 34 Punkten zeigt sich eine weit verbreitete Ablehnung, die insbesondere Muslim:innen betrifft. Religiöse Christ:innen und Jüd:innen erfahren hingegen deutlich weniger Zurückweisung. Im Vergleich zu allen anderen Dimensionen fallen die Akzeptanzwerte so niedrig wie nirgendwo anders aus.
Das Merkmal sozioökonomische Schwäche schneidet ebenfalls schlecht ab und bestätigt den Trend: Die gesellschaftliche Offenheit gegenüber benachteiligten Gruppen nimmt ab – ein besorgniserregendes Signal für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Das Ost-West-Gefälle löst sich auf
Auffällig ist: Das frühere West-Ost-Gefälle findet sich so nicht mehr, auch im Westen sinkt die Akzeptanz zunehmend. Insbesondere in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg haben sich die Werte im Vergleich zu 2019 verschlechtert. „Die Gräben zwischen Befürworter:innen und Gegnern:innen von Vielfalt haben sich seit 2019 vertieft. Einige politische und mediale Akteure nutzen Unsicherheiten gezielt, um Spaltung noch zu verstärken“, kommentiert Dr. Ferdinand Mirbach, Senior Experte und Vielfaltsbeauftragter der Robert Bosch Stiftung, die Ergebnisse.
Stiftungsprojekte zeigen: Begegnung und Dialog fördern Akzeptanz
Das Vielfaltsbarometer 2025 – hier zum Download
Das Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung ist eine repräsentative Befragung zum gesellschaftlichen Zusammenleben in Deutschland. Es misst Einstellungen zu sieben Dimensionen von Vielfalt – darunter Lebensalter, Behinderung, Geschlecht, sexuelle Orientierung, sozioökonomische Schwäche, ethnische Herkunft und Religion – und bündelt die Ergebnisse in einem Vielfaltsgesamtindex. Für die Ausgabe 2025 wurden im Mai 4.761 deutschsprachige Personen ab 16 Jahren online befragt, darunter 1.074 mit Migrationshintergrund. Die Studie wurde vom wissenschaftlichen Team der Constructor University Bremen im Auftrag der Robert Bosch Stiftung konzipiert und ausgewertet.