Was sollten der Einzelne und die Gesellschaft für ein menschenwürdiges Leben in der Zukunft tun?
Wir müssen uns selbst, unsere Motive, unsere Bedürfnisse und Ängste besser verstehen lernen. Dann verstehen wir auch andere Menschen und Kulturen besser. Das ist unabdingbar, wenn wir eine nachhaltige globale Zivilisation aufbauen wollen. Es gibt keinen Staat, der so etwas erzwingen kann, dafür braucht es freiwilliges Zusammenwirken. Wir Menschen sind soziale Wesen – das heißt, wir sind durchaus zu dieser Zusammenarbeit fähig. Voraussetzung ist, dass wir reif genug sind und unsere inneren Konflikte selbst lösen, statt damit unsere gesellschaftlichen Konflikte aufzuladen und diese so unlösbar zu machen.
Wie haben Sie das für sich selbst beantwortet?
Ich habe verstanden, dass wir unsere innere Welt ebenso kennen lernen müssen, wie wir als Kinder und Jugendliche gelernt haben, uns in der äußeren Welt zurecht zu finden. Aber wie bekommt man Klarheit über sein Innerstes? Für mich führte der Weg über eine spirituelle Schule für Erwachsene, die Ridhwan-Schule, die eine aufgeklärte interreligiöse Spiritualität lehrt und zutiefst an dem Geheimnis des menschlichen Bewusstseins und der menschlichen Seele interessiert ist. Seit einigen Jahren arbeite ich dort im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten auch als Lehrer.
Sie sind also zugleich Unternehmer, Philanthrop und ein spiritueller Mensch. Wie vereinen Sie diese drei Welten?
Diese Welten müssen nicht vereint werden – sie gehören zusammen! Die Trennung in Innen und Außen ist nur scheinbar. Wir können das allerdings oft nicht erkennen, weil unsere Erziehung und Bildung darauf nicht ausgelegt sind. Und doch suchen eigentlich alle Menschen nach intensiven Erfahrungen, die sich in ihrem tiefsten Inneren abspielen - sei es in der Natur, beim Sport, bei erfüllender Arbeit, in der Kunst oder in menschlichen Beziehungen.
Die gegenwärtige Krise wird zu Ende gehen, aber der Wandel wird sich fortsetzen. Worauf hoffen Sie? Worauf können wir hoffen?
Wenn die Hoffnung, wie schon der große Aufklärer Immanuel Kant postulierte, mit Wissen und Tun einhergeht, denke ich, dass wir an der gegenwärtigen Herausforderung wachsen werden. Wir merken, dass die Menschheit weltweit in einem Boot sitzt, dass sie Probleme nur gemeinsam lösen kann. Es gibt eine starke Bewegung hin zur globalen Verantwortungsübernahme – trotz aller Rückschläge. Ich bin sicher: Wir können weiter gemeinsam lernen, wir können erkennen, was richtig ist, und wir können danach handeln.