Der Einfluss der Ölindustrie auf lokale Communities und auf die Umwelt im Bezirk Hadhramawt, Jemen (2022-2023)
Über das Projekt
Warum machen wir das Projekt?
In den letzten Jahren kam es in Jemens größtem Verwaltungsbezirk Hadhramawt aufgrund des Klimawandels immer häufiger zu Wirbelstürmen und wechselnden Regenzeiten. Die unregelmäßigen Niederschläge vermischen sich mit abgelagerten Abfällen und Nebenprodukten aus der Ölförderung. Mit dem Wasser werden die Schadstoffe über weite Entfernungen transportiert und können Wasserquellen, Böden und Vegetation verseuchen. In vielen Fällen konsumieren die Anwohner das kontaminierte Wasser und bauen auf verschmutzten Böden an, weil sie sich dessen nicht bewusst sind, keine Daten über die Verunreinigung vorliegen und der Zugang zu natürlichen Ressourcen in einem anhaltenden Kriegszustand immer schwieriger wird. Gleichzeitig ist die Luftverschmutzung durch ungefiltertes Abbrennen von Gas in der Nähe der fördernden Ölfelder ebenfalls weit verbreitet.
Trotz der Beschwerden der lokalen Bevölkerung wurde bisher nichts unternommen, um die Bedrohungen zu mindern. Insgesamt stellen die Auswirkungen der Verunreinigung und die Untätigkeit der Regierung eine erhebliche Belastung dar und können die Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft noch lange nach Beendigung des Krieges beeinträchtigen.
Was wollen wir erreichen?
Der Jemen leidet unter komplexer Umweltverschmutzung mit vielschichtigen Auswirkungen. Daher besteht das erste Ziel des Projekts darin, Daten zu den Konsequenzen der Verschmutzung durch die Ölindustrie auf die Bevölkerung und ihre Lebensgrundlagen zu präsentieren. Klare Empfehlungen an lokale und nationale Entscheidungsträger:innen helfen bei der Entwicklung neuer Strategien zur Verhinderung und/oder Abschwächung künftiger Ölverschmutzungen. Zudem werden so die politischen Entscheidungsträger:innen in die Lage versetzt, angemessene Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln.
Im Gouvernorat Hadhramawt nehmen die Spannungen zwischen der Gesellschaft, der Ölindustrie und staatlichen Institutionen sowie Nichtregierungsorganisationen zu aufgrund der Verschlechterung der öffentlichen Gesundheit sowie der Schädigung von landwirtschaftlichen Flächen und Wasserressourcen. Daher besteht das zweite Ziel des Projekts darin, die relevanten Interessensgruppen zusammenzubringen, damit sie ihre Kräfte bündeln und nach einer gemeinsamen Grundlage für umweltpolitische Lösungen und den Zusammenhalt der Community suchen.
Wie funktioniert das Projekt?
Das Projekt befasst sich mit mehreren Aspekten: Zum einen geht es darum, die Qualität von Wasser und Boden sowie den Grad der Schadstoffkonzentration zu untersuchen. Daraus werden geeignete Maßnahmen abgeleitet, wie z.B. Sensibilisierungskampagnen, Informationsworkshops oder Schulungen. Dabei werden besonders benachteiligte gesellschaftliche Gruppen berücksichtigt. Die Mitarbeitenden nationaler und lokaler Umweltinstitutionen absolvieren ein Trainingsprogramm, das auf einer Priorisierung der dringendsten Umweltbedrohungen in den Zielgebieten basiert. Schließlich sind Briefing-Workshops zwischen der Ölindustrie, staatlichen Umweltinstitutionen, lokalen Gemeinden und Akteuren der Zivilgesellschaft geplant. Diese können einen Kommunikationskanal zwischen den verschiedenen Interessensgruppen schaffen, um das Konfliktpotenzial zu verringern.
Wer steht dahinter?
Die Medical Mercy Foundation wurde 2004 in Sana'a, Jemen, gegründet. Sie ist eine nationale Nichtregierungsorganisation und eine medizinisch-humanitäre Organisation, die Notfallhilfe für Menschen bereitstellt, die von Konflikten, Epidemien und Naturkatastrophen betroffen sind und keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben.
Ihre Ansprechpartner:innen
Dr. Eidah Ali Assa'dy
Medical Mercy Foundation
Ali Al-Amudi
Medical Mercy Foundation