Es begann mit einer einfachen, aber damals ungewöhnlichen Botschaft: „Es geht auch anders“. Als die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung den Deutschen Schulpreis 2006 erstmals ausschrieben, herrschte in der Bildungspolitik Krisenstimmung. Die Ergebnisse der internationalen PISA-Studien 2000 und 2003 hatten den Glauben daran erschüttert, das deutsche Schulsystem gehöre zur Spitzengruppe. Die Debatte drehte sich vor allem um Defizite.
Der Deutsche Schulpreis setzte einen anderen Akzent. Statt auf Probleme richtete er den Blick auf Lösungen. Gesucht wurden Schulen, die zeigen, wie gutes Lernen gelingen kann. Die Idee dahinter: Wenn hervorragende Konzepte sichtbar werden, können andere Schulen davon lernen. „Dieser Transfer guter Praxis war uns von Anfang an genauso wichtig wie die eigentliche Auszeichnung“, sagt Andrea Preußker, Teamleiterin Bildung bei der Robert Bosch Stiftung. Zwanzig Jahre später zeigt sich: Genau darin liegt die eigentliche Wirkung des Schulpreises.
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Gute Schulen sehen unterschiedlich aus
Bis 2025 wurden 116 Schulen mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet, darunter 18 Hauptpreisträger. Sie kommen aus nahezu allen Teilen Deutschlands, aus Stadt und Land, aus sozialen Brennpunkten und privilegierten Regionen, aus Grundschulen, Gymnasien, Förderschulen und beruflichen Schulen. Seit 2016 können sich zudem Deutsche Auslandsschulen bewerben; fünf von ihnen wurden bereits ausgezeichnet.
Diese Vielfalt ist kein Zufall. Denn ausgezeichnet wird kein bestimmter Schultyp und auch keine einzelne pädagogische Methode. Stattdessen hat der Wettbewerb dazu beigetragen, den Blick auf die Frage zu verändern, was eine gute Schule ausmacht. Im Mittelpunkt stehen nicht allein Prüfungsleistungen, sondern vor allem Unterrichtsqualität und der Umgang mit Vielfalt, Verantwortung, Schulklima und die Fähigkeit einer Schule, sich weiterzuentwickeln. Diese Qualitätsbereiche sind heute weit über den Schulpreis hinaus bekannt und prägen vielerorts die Diskussion über Schulqualität.
„Wenn ich versuche, die Arbeit von Preisträgerschulen auf den Punkt zu bringen, dann ist es vielleicht dieser: Gute Schulen fragen in schwierigen Situationen nicht primär, ob das Kind hier richtig ist, sondern überlegen, was das Kind braucht, damit es sich wohlfühlt und lernen kann.”
62 Prozent
der Lehrkräfte haben laut einer repräsentativen Umfrage schon einmal etwas vom Deutschen Schulpreis gehört.
65 Prozent
der Lehrkräfte, die den Deutschen Schulpreis kennen, halten diesen für ein gutes Instrument, um besonders wirksame und innovative Schulpraxis sichtbar zu machen.
Der Deutsche Schulpreis macht nicht nur gute Schulen sichtbar, sondern auch die Herausforderungen, mit denen sie sich beschäftigen. So rückten in den vergangenen Jahren Themen wie Digitalisierung, Demokratiebildung und psychische Gesundheit stärker in den Fokus. Besonders deutlich wurde das während der Corona-Pandemie. Mit dem Sonderwettbewerb „Deutscher Schulpreis 20|21 Spezial“ wurden Schulen ausgezeichnet, die innovative Lösungen für Distanzunterricht, selbstorganisiertes Lernen oder den Erhalt sozialer Beziehungen entwickelt hatten. Der Schulpreis fungiert damit auch als Seismograf für Entwicklungen im Bildungssystem. Er zeigt, an welchen Themen Schulen arbeiten und welche Antworten sie auf aktuelle Herausforderungen finden.
Die Wirkung entsteht im Austausch
Aus einem klassischen Wettbewerb ist der Deutsche Schulpreis in den vergangenen Jahren schrittweise zu einem breiten Lernangebot für Schulentwicklung geworden. Dazu gehören Hospitationen, Schulentwicklungsprogramme, das Deutsche Schulportal und das Netzwerk der Preisträgerschulen: Mit der Auszeichnung werden Schulen Teil dieses Netzwerks und bleiben auch über die Preisverleihung hinaus miteinander verbunden.
Das Hospitationsprogramm besteht fast so lange wie der Schulpreis selbst. Seit 2007 haben 2.722 Lehrkräfte und Schulleitungen aus 1.384 Schulen Preisträgerschulen besucht, um Unterricht zu erleben, Konzepte kennenzulernen und mit Kolleg:innen ins Gespräch zu kommen. Dass dieser Austausch Wirkung entfaltet, zeigt eine bemerkenswerte Zahl: 40 der später ausgezeichneten Schulen hatten zuvor selbst an einer Hospitation teilgenommen. Gute Praxis wird also nicht einfach kopiert, sondern an den eigenen Schulalltag angepasst.
Auf demselben Gedanken basiert das Forum des Deutschen Schulpreises. Seit 2017 haben 236 Bewerberschulen an dem Schulentwicklungsprogramm teilgenommen. Die Idee dahinter: Auch eine Schule, die keinen Preis gewinnt, kann von der Bewerbung und dem Austausch profitieren.
Ergänzt werden diese Angebote durch das Deutsche Schulportal. Seit 2018 stellt die Plattform Praxisbeispiele, Dokumentarfilme, journalistische Recherchen und Fortbildungen bereit. Mit mehr als 70.000 registrierten Nutzer:innen hat sie sich zu einer der größten deutschsprachigen Plattformen für Schul- und Unterrichtsentwicklung entwickelt. So werden Ideen, die an einzelnen Schulen entstanden sind, weit über die Preisträgerschulen hinaus zugänglich.
„Gott sei Dank gibt es sie – die tollen Vorbilder! Hier gibt es Schulen, die zeigen, wie fröhlich und motivierend das gemeinsame Lernen in Gegenwart und Zukunft aussehen kann! Hier bekommt man doch Lust, die eigene Schule weiterzuentwickeln!“
20 Jahre Deutscher Schulpreis: Eine Bilanz
Mehr als 2.800 Bewerbungen, 372 Schulbesuche und über vier Millionen Euro Preisgelder: Die Bilanz des Deutschen Schulpreises lässt sich in Zahlen fassen. Schwieriger ist die Frage nach seiner Wirkung. Hat sich Unterricht verbessert, weil es den Deutschen Schulpreis gibt? Sind Schulen innovativer geworden? Schulentwicklung hängt von vielen Faktoren ab: politischen Reformen, gesellschaftlichen Veränderungen, Ressourcen und dem Engagement der Beteiligten vor Ort. Klar ist jedoch, dass der Wettbewerb über zwei Jahrzehnte hinweg Beispiele für gelingende Praxis gesammelt und verbreitet hat. Viele Lehrkräfte und Schulleitungen erlebten dabei: Wir sind mit unseren Herausforderungen nicht allein und können Schule selbst gestalten.
Der Deutsche Schulpreis hat das Bildungssystem nicht revolutioniert. Sein Beitrag liegt woanders: Er hat gute Schulen sichtbar gemacht und den Austausch ihrer Ideen gefördert. Aus einzelnen ausgezeichneten Schulen ist so im Laufe der Zeit ein bundesweites Netzwerk entstanden. Seine größte Wirkung liegt deshalb vielleicht nicht in den 116 ausgezeichneten Schulen, sondern in den vielen anderen, die sich von ihnen inspirieren lassen.
Livestream: Verleihung des Deutschen Schulpreises 2026
Melden Sie sich auf dem Deutschen Schulportal an und seien Sie per Livestream dabei, wenn am 29. September ab 09:00 Uhr die Preisverleihung des Deutschen Schulpreises stattfindet!