Lieber Geld verlieren als Vertrauen

Robert Bosch verband modernes Unternehmertum mit gesellschaftlichem Engagement und visionären Ideen. Doch was zeichnete ihn in seiner Rolle als Geschäftsmann, Philanthrop und Privatmensch aus? Das Hörbuch „Robert Bosch – Wegbereiter & Weltbürger“ skizziert seine Lebensstationen nach und gibt Einblicke in die Gedankenwelt eines Mannes, der seiner Zeit weit voraus war.

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Aus dem Leben eines Weltbürgers

Der Reisende

Auszüge aus seinen Lebenserinnerungen (1921)

Im Frühjahr 1884 fuhr ich nach New York. Ich sah dort auch ein- oder zweimal Thomas Alva Edison, und zwar bei einer Gelegenheit, die so bezeichnend für das American system ist, dass ich sie doch erzählen will.

Eines Tages kam ein großer, schlanker Mann in einem blau und weiß gestreiften Kittel in die Werkstatt gestürzt. Er stürzte an einen Betriebsmotor und beschmutzte sich ausgiebig die Hände mit Öl um gleich darauf einige Herrn zu begrüßen, von denen gesagt wurde, sie seien zu bearbeiten für die Übernahme von Anteilscheinen unserer Gesellschaft. Edison machte sich sich sonst bei uns mit Öl nie schmutzige Hände …

Ich war nach Amerika gegangen zu einem Teil auch, weil dem jungen Demokraten, der ich aus Erziehung und dem Vorbild meines Vaters folgend, war. Es gefiel mir Schwärmer aber nicht in dem Land, „in dem der Eckstein der Gerechtigkeit fehlte: die Gleichheit vor dem Gesetz.“

Der Gründer

Gegen den Herbst hin verließ ich Magdeburg wieder und machte im November 1886 eine feinmechanische Werkstätte auf mit der Absicht, Apparate, möglichst elektrotechnische, zu bauen. Auch mit der Anlage von Haustelegraphen befaßte ich mich.

Ich begann mit einem Mechaniker und einem Laufburschen. Mein kleines Betriebskapital von etwa 10.000,-- Mk verwendete ich sehr sparsam. Der Handel mit und die Instandsetzung von elektromedizinischen Apparaten, die Vornahme von Versuchsarbeiten für fremde Rechnung, gaben mir schließlich doch so viel Verdienst, das ich mich etwa ein Jahr nach Eröffnung meines Geschäfts verheiratete.

Der Pionier

… im selben Jahr – 1906 – ging Klein mit seinem Freund Heins in die Vereinigten Staaten, um dort die Firma Robert Bosch aufzumachen… und ich darf wohl sagen, das unser Erscheinen dort einem Triumphzug glich. In den Vereinigten Staaten war der Automobilwahnsinn schon damals in höchster Blüte, und es kam vor, daß einer an einem billigen alten Wagen eine Bosch-Zündung anbauen ließ, die fast so viel kostete, als der Wagen selbst. Klein erzählte eines Tages, er sei mit einem Mann in der Kajüte eines Dampfers, von New York kommend, zusammengetroffen, der ihm gesagt habe: Sie wissen garnicht, wie groß der Name Bosch in den Vereinigten Staaten ist. Ich war in Arizona in einer Musikhalle. Ein musikalischer Clown trat auf und konnte gar nicht fertig werden mit Erzählungen und Aufzählungen der Wunder, die sein Instrument aufweise. Als letzten Trumpf aber sagte er: „Und Bosch-Zündung ist auch dran.“

Der Geschäftsmann

Herr Honold hatte auch Grund darüber machen müssen, wieviel man zur elektrischen Beleuchtung und die Anlasser – Strom brauchte. Er fand aber, dass kein einwandfreies Ergebnis sich erzielen lasse was die Beleuchtung angehe – da keine wirklich guten Scheinwerfer für elektrisches Licht auf dem Markt waren.

Er musste also zuerst Scheinwerfer bauen und so kamen wir dazu, auch diese Sache aufzunehmen. Wir fanden heraus, dass man … in diesem Fall einen vollen Erfolg nur haben könnte, wenn man eine vollständige Einrichtung schuf.

Eine Firma, die wie die meinige, nach höchster Vollkommenheit strebt, muss mit eigenem Interesse eine große Menge erzieherischer Arbeit leisten. Wer privatwirtschaftlich gut arbeiten will, arbeitet in mancher Hinsicht wohl oder übel auch in mancher Richtung erzieherisch in gutem Sinne – und damit volkswirtschaftlich richtig.

Der Weltbürger

Als nun der Krieg und mit ihm die Kriegslieferungen kamen … drückte mich der Verdienst, den ich machte während andere ihr Leben einbüßten. Ich fasste Ende 1916 den Entschluß, meinen Kriegsgewinn zu einer Stiftung für die Erbauung des Neckarkanals zu verwenden.

Außer dieser Kanalstiftung habe ich auch noch dem Verein Homöopathisches Krankenhaus und dem Verein Förderung der Begabten, Mittel zugewendet.

Das Vermächtnis

Die Robert Bosch GmbH

Im Jahr 1886 gründete Robert Bosch die „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ in Stuttgart. Sie ist die Wurzel des heute weltweit agierenden Unternehmens, das von Beginn an durch Innovationskraft und soziales Engagement geprägt war.

Die Stiftung

Die Robert Bosch Stiftung wurde 1964 auf Grundlage des Testaments von Robert Bosch gegründet. Dieser hatte in seinem Vermächtnis festgelegt, dass mit den Erträgen seines Vermögens »neben der Linderung von allerhand Not, vor allem auf Hebung der sittlichen, gesundheitlichen und geistigen Kräfte« der Menschen hinzuwirken sei.

Zur Person

Robert Bosch