Nach gut zwei Jahren ist in Genf der Abschlussbericht der „International Commission on Inclusive Peace“ vorgestellt worden. Es soll kein Bericht sein, der sich nur gut im Bücherregal macht. Die Ergebnisse der Kommissionsarbeit sollen der Start für ein neues Bündnis für den Frieden werden. Und so heißt der Bericht auch: „The Peacemaking Covenant“, ein Pakt für die Friedensarbeit, an dem sich unterschiedliche Akteure beteiligen können, die die Prinzipien für nachhaltigen Frieden in ihrer Arbeit umsetzen wollen: Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, Regierungen, Stiftungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, bis hin zu individuellen Aktivist:innen und Mediator:innen.
„Das Projekt Principles for Peace hat das ganze Feld der Friedensförderung in Bewegung gebracht und neue Impulse in einer Debatte gesetzt, die allzu oft davon geprägt war, was alles nicht funktioniert.“
Was sich in der internationalen Friedensarbeit ändern muss
Ähnlich breit angelegt war der Entstehungsprozess. 120 Organisationen waren über ein Stakeholder Forum eingebunden, zahlreiche Wissenschaftler:innen haben ihre Expertise in der Forschungskommission zur Verfügung gestellt, in mehr als 60 Ländern wurden über 150 Konsultationen mit insgesamt mehreren Tausend Menschen durchgeführt, die direkt von Konflikten betroffen sind. Herausgekommen sind vier zentrale Punkte, was sich in der internationalen Friedensarbeit ändern muss:
- Was wir unter Friedensprozessen verstehen: Frieden entsteht in einem Prozess, der weit über diplomatische Bemühungen und Verhandlungen eines Friedensvertrags hinausgeht. Dieser Prozess braucht Beteiligung aller, er muss sich immer wieder an den Kontext anpassen und er braucht nachhaltiges Engagement, insbesondere von Seiten derjenigen, die von außen den Prozess unterstützen.
- Wie lokale und internationale Akteure zusammenarbeiten: Partnerschaften fördern die Entwicklung lokaler Lösungen und fußen auf respektvollen Beziehungen, die die Erfahrung der Menschen in den Mittelpunkt stellen, deren Alltag von Konflikten geprägt ist.
- Wie Friedensprozesse umgesetzt werden: Abkommen zwischen Eliten und Deals über die Aufteilung der Macht allein schaffen keinen Frieden. Erfolgversprechende Friedensprozesse schaffen neues Vertrauen zwischen Staat und Gesellschaft und Verantwortung der Mächtigen für die Sicherheit und Entwicklung der gesamten Bevölkerung.
- Wie unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen miteinander arbeiten: Es reicht nicht aus, dass in Friedensverhandlungen alle Gruppen mit am Tisch sitzen. Friedensprozesse müssen darauf abzielen, dass Respekt für die Vielfalt einer Gesellschaft etabliert wird und unterschiedliche Meinungen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft akzeptiert werden. Denn nur so lassen sich künftige Konflikte ohne Gewalt bearbeiten.
Die veröffentlichten Prinzipien dienen als Kompass, diese Veränderungen zu erreichen und neue Wege zu Sicherheit und Frieden zu beschreiten. Jetzt gilt es, sie in die Praxis der Friedensarbeit zu übersetzen und zu erproben. „Von Prinzipien zu Praxis“ ist das Motto der zweiten Projektphase: Für diese Arbeit ist rund um die Vorstellung der Ergebnisse eine neue Allianz aus über 40 Partner: innen entstanden.
Mögliche Basis für eine neue UNO Resolution
„Das Projekt Principles for Peace hat das ganze Feld der Friedensförderung in Bewegung gebracht und neue Impulse in einer Debatte gesetzt, die allzu oft davon geprägt war, was alles nicht funktioniert,“ sagt Atje Drexler, Bereichsleiterin Globale Fragen. „Wenn dieser Impuls und die Gemeinschaft aus der ersten Projektphase erhalten bleiben, bin ich optimistisch, dass wir in der zweiten Phase praktische Umsetzungsbeispiele für die Prinzipien sehen werden und sie auch ihren Weg in die politischen Prozesse der UNO finden, vielleicht sogar als Basis für eine neue Resolution, wie die UNO ihre Friedensarbeit umsetzt.“