Migration könnte als mögliche Strategie im Umgang mit der Erderwärmung dienen
Migration kann dazu beitragen, den Arbeitskräftebedarf für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu decken
Um zu verhindern, dass die Erderwärmung katastrophale Folgen mit sich bringt, ist schnelles Handeln gefragt: Länder in aller Welt, von Deutschland bis Ghana, müssen ihre Energie-, Industrie-, Landnutzungs- und Stadtsysteme klimaneutral umbauen und ihre Volkswirtschaften und Gesellschaften gegen neuartige Klimarisiken absichern. Ein derart umfassender Übergang erfordert Arbeitskräfte mit neuen Kenntnissen und Qualifikationen, um Solarmodule zu produzieren, Ladestationen für Elektroautos einzurichten, neue landwirtschaftliche Praktiken umzusetzen oder energieeffizientere Wohnungen zu bauen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht davon aus, dass im Zeitraum zwischen 2018 und 2030 durch den Übergang zu einer grünen Wirtschaft 24 Millionen Arbeitsplätze (beispielsweise in der Branche der Erneuerbaren Energien) geschaffen werden, während in CO2-intensiven Sektoren (wie der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen) lediglich sechs Millionen Arbeitsplätze verloren gehen. ODI führt in seinem aktuellen Bericht an, dass sowohl die Binnen- als auch die Auslandsmigration von Arbeitskräften dazu beitragen kann, den Arbeitskräftebedarf beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu decken – neben einer zielgerichteten Qualifikation der Arbeitskräfte vor Ort und derjenigen Arbeitskräfte, die durch das Verschwinden emissionsintensiver Industriezweige vertrieben wurden. Dieser Aspekt muss in den Mittelpunkt der Beziehungen zwischen Europa und Afrika gerückt werden – sowohl im Bereich der Migrations- als auch der Klimapolitik.
Damit die Gruppen gemeinsam geeignete Maßnahmen und praktische Lösungen entwickeln können, muss das damit verbundene Silodenken überwunden werden. Vor allem jedoch darf ein solcher Austausch nicht nur zwischen den üblichen Verdächtigen stattfinden, sondern muss auch „Innovationsträger:innen“ wie Diasporagruppen, Stiftungen, Thinktanks, Städtevertreter:innen und Unternehmen der Sozialwirtschaft einbeziehen, die über übliche Prozessen hinaus denken und handeln.
- Umfassende und mutige Investitionen: Geber:innen müssen die Mittel für bestehende Forschungsvorhaben im Bereich umweltfreundlicher Technologien aufstocken und zu diesem Zweck Partnerschaften zwischen Europa und Afrika unterstützen. Der Privatsektor muss bei derartigen Maßnahmen Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien zugrunde legen.
- Eine Erweiterung des Handlungsspielraums bei den verfügbaren Instrumenten, beispielweise durch die Qualifizierung von Arbeitskräften für den grünen Übergang, den Ausbau von Ausbildungspartnerschaften in den betroffenen Gebieten und die Teilhabe von Migrant:innen und Geflüchteten an der „grünen Wirtschaft“ in Ziel- und Transitländern.
- Eine Stärkung der Kapazitäten von Akteur:innen zugunsten eines zusätzlichen finanziellen und zielgerichteten inhaltlichen Inputs und das Schließen der Kluft zwischen Governance-Strukturen und dem politischen Willen zur Unterstützung dieser Vorhaben, insbesondere mit Blick auf die afrikanisch-europäische Partnerschaft.
Ausbildungspartnerschaften im Bereich Migration als zentrales Element
Eine wesentliche Voraussetzung dafür bilden länder- und sektorübergreifende Rahmenbedingungen zur Integration von Migrant:innen in die nationalen Arbeitsmärkte: Durch einen besseren Abgleich des Arbeits- und Fachkräftebedarfs kann Migration ihre positive Wirkung beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft vollständig entfalten.
Hier können neue Beispiele für Ausbildungspartnerschaft als Vorbild dienen. Mit Hilfe eines Programms der ILO (Skills partnerships on migration) wurde das Potenzial von Ausbildungspartnerschaften für verschiedene Länder und wichtige Akteur:innen der Aus-und Weiterbildung ermittelt. Initiativen für eine Übertragbarkeit von Qualifikationen in Afrika empfehlen einen genaueren Abgleich des Arbeitsmarktbedarfs mit vorhandenen Berufen und Qualifikationen, um Strategien zur Qualifizierung und Beschäftigungsfähigkeit von Menschen zu unterstützen.
Eine neue Agenda für Afrika und Europa in 2021
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Dieser Artikel stützt sich auf Ideen, die auf einer gemeinsamen Veranstaltung von ODI und der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit der Calouste Gulbenkian Foundation und den Open Society Foundations entwickelt und erörtert wurden. Bei dieser Veranstaltung kamen Expert:innen aus den Bereichen Klima-, Migrations- und Arbeitspolitik zusammen, um gemeinsame Herausforderungen und damit verbundene Lösungsansätze zu ermitteln.