Deutschlands Schulen leiden unter Fachkräftemangel

Die massive Personalnot ist derzeit mit Abstand das größte Problem für deutsche Schulleitungen. Auch kann rund die Hälfte der Schulen keine neu zugewanderten Schüler:innen mehr aufnehmen. Das sind aktuelle Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung.

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Was bereitet den Schulen in Deutschland derzeit die größten Probleme? Das Deutsche Schulbarometer hat dazu im November 2022 Schulleiter:innen in einer repräsentativen Umfrage befragt. Das Ergebnis: Für zwei Drittel der Schulleiter:innen ist das fehlende pädagogische Personal die größte Herausforderung. An sozial benachteiligten Standorten sagen dies sogar 80 Prozent. Erst mit großem Abstand folgen die schleppend vorankommende Digitalisierung (22 Prozent), zu viel Bürokratie (21 Prozent) und die hohe eigene Arbeitsbelastung (20 Prozent). Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen beschäftigen dagegen nur noch jede zehnte Schule. 

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„Für den Lehrkräftemangel gibt es keine schnelle und vor allem keine einfache Lösung“, sagt Dr. Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung. „Weniger bürokratischer Aufwand könnte die aktuelle Personalnot an den Schulen aber zumindest lindern, indem beispielsweise die Anstellung von Unterstützungsfachkräften in der Verwaltung, von pädagogischen Assistenzkräften oder ausländischen Lehrkräften erleichtert wird. Gleichzeitig muss jetzt langfristig geplant werden. Eine Erhöhung der Kapazitäten in den Lehramtsstudiengängen reicht dazu nicht aus. Der Lehrerberuf muss attraktiver werden.“

Ziel verfehlt: Deutliche Lernrückstände trotz Corona-Aufholprogrammen

Wie in den letzten Befragungen des Deutschen Schulbarometers sehen die Schulen bei mehr als einem Drittel der Schüler:innen nach wie vor einen deutlichen Lernrückstand (laut Schulleitungen im November 2022: 35 Prozent, laut Lehrkräfte im April 2022: 41 Prozent). An Schulen in sozial benachteiligter Lage betrifft das sogar zwei Drittel der Kinder. Fast 80 Prozent der Schulleitungen sagen außerdem, dass sie nicht allen Kindern und Jugendlichen die benötigte Unterstützung beim Lernen bieten können. Dementsprechend bezeichnet lediglich ein Drittel die Corona-Aufholprogramme als wirkungsvoll. Während an Gymnasien das Urteil am positivsten ausfällt (42 Prozent), entfalten die Programme an sozial benachteiligten Standorten den geringsten Effekt (23 Prozent). Trotz der zwei Milliarden Euro schweren Unterstützung benötigt die große Mehrheit der Schulleitungen (70 Prozent) dringend weitere Fördermittel. 

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Drei Viertel der Schulen in sozial benachteiligter Lage erfassen die Lernstände ihrer Schüler:innen systematisch. „Für das geplante Startchancen-Programm der Bundesregierung müssen diese Daten besser genutzt und die bisherigen Programme evaluiert werden. Schon jetzt zeigt sich, wie wichtig eine langfristige Förderung ist, die den Beteiligten in den Schulen und Verwaltungen Planungssicherheit garantiert", fordert Dagmar Wolf. Die Robert Bosch Stiftung hat aus diesem Grund gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung die Expert:innenrunde Startchancenprogramm ins Leben gerufen.
 

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Dagmar Wolff rund 500

„Das Ziel, insbesondere sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu unterstützen, wurde weit verfehlt, weil alle Schulen über einen begrenzten Zeitraum Fördermittel nach dem sogenannten Gießkannenprinzip erhalten haben. Dabei wären die Bedingungen für eine bedarfsgerechte Verteilung günstig“.

Dr. Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung

Seit März 2022 hat das deutsche Schulsystem eine sehr hohe Zahl an geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine aufgenommen. Den Anteil an der Gesamtzahl der Schüler:innen schätzen die Schulleitungen auf 2,7 Prozent (Median: sieben Schüler:innen je Schule). Doch sind im selben Zeitraum noch einmal fast genauso viele Schüler:innen aus anderen Ländern an die Schulen gekommen (Anteil an der Gesamtzahl: 2,7 Prozent, Median: fünf Schüler:innen je Schule). Anders als bei den geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine veröffentlicht die Kultusministerkonferenz (KMK) hierzu bislang keine Zahlen. 

Rund die Hälfte der Schulen sieht derzeit keine Kapazitäten mehr für die Aufnahme weiterer Schüler:innen. Vor allem Schulen an sozial benachteiligten Standorten arbeiten bereits über ihrer Kapazitätsgrenze (45 Prozent). Sie haben überdurchschnittlich häufig neu zugewanderte Schüler:innen aufgenommen (Ukraine: 3,7 Prozent, andere Länder: 5,3 Prozent/Anteil an der Gesamtzahl der Schüler:innen).  

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Darüber hinaus wurde die Schulleiter:innen gefragt, ob sie die traditionelle Prüfungskultur und Benotungspraxis - Klausuren und Tests für alle Schüler:innen zu festgelegten Zeiten im Klassenverbund - als starke psychische Belastung für die Schüler:innen empfinden. Fast die Hälfte der Schulleitungen stimmt dem zu. 

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Die hohen Werte zeigen: Viele Schulleitungen haben – quer durch alle allgemeinbildenden Schulformen – ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, dass eine traditionelle Prüfungskultur und Benotungspraxis zu einer starken psychischen Belastung von Schüler:innen führt. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass nur 7 Prozent der Schulen derzeit Schulentwicklungsprozesse durchlaufen, um zeitgemäße Prüfungsformate zu entwickeln.

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