„Die Menschen müssen das Gefühl haben, ihr eigenes Land fruchtbar zu machen“
Steve Makungwa: „Die gesamte Wirtschaft von Malawi basiert auf der Landwirtschaft. Doch von unseren 9,4 Millionen Hektar Land sind bereits acht Millionen Hektar degradiert. Viele Wälder wurden abgeholzt, um neue Flächen für den Ackerbau zu schaffen oder um Holz zum Kochen und Heizen zu bekommen. Das verschlechtert die Situation der Böden immer mehr. In unserem GLF-Projekt bringen wir unterschiedliche Akteur:innen zusammen, damit die Böden wieder fruchtbarer werden. Ich sehe unsere Aufgabe darin, Verbindungen und Brücken zu bauen. Zum Beispiel bieten wir Trainings für Jugendliche an oder sprechen mit Glaubensvertreter:innen aus Kirchen und Moscheen, damit sich das Wissen unter den Menschen verbreitet.
Neben der Kommunikation ist auch das Thema privater Landbesitz wichtig: Bisher gehört viel Land nicht einzelnen Landwirt:innen, sondern den Stammesführern. Die Regierung bringt nun Gesetze auf den Weg, die das ändern sollen. Die Menschen müssen das Gefühl haben, ihr eigenes Land fruchtbar zu machen.
Malawi hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 4,5 Millionen Hektar Land wiederherzustellen. Das ist sehr ehrgeizig. Auch die Weltpolitik beeinflusst unser Vorhaben. Denn damit überhaupt etwas wächst, brauchen die Landwirt:innen Dünger, und die Preise dafür sind durch den Krieg in der Ukraine sehr gestiegen. Die Weltlage hat einen direkten Einfluss auf unsere Lebensmittelversorgung.“
„Lebt der Wald, kommen die Tiere wieder“
Emem Umoh: „Unser Community-Projekt in Nigeria läuft seit acht Jahren. Wir haben schon Tausende Setzlinge gepflanzt und sind noch lange nicht fertig. In den kommenden fünf Jahren wollen wir eine Million Bäume pflanzen. Seitdem wir mit dem GLF zusammenarbeiten, hat sich alles noch einmal verbessert. Wir haben so viele Menschen ins Boot geholt. Wichtige Stammesführer sind nun dabei und unterstützen das Projekt, wir arbeiten eng mit ihnen zusammen. Das ist die lokale Ebene. Auf dem nationalen Level hat das GLF mich ermächtigt, Netzwerke zu knüpfen, um das Thema Wiederaufforstung auf die Agenda der nigerianischen Bevölkerung zu bringen.
Zurzeit bin ich deswegen in unserer Hauptstadt Abuja und will noch mehr wichtige Unterstützer:innen gewinnen: Wir wollen es schaffen, dass in zehn Jahren die großen Waldreservate Nigerias wiederhergestellt sind. Wir beginnen mit Stubbs Creek in der Gemeinde Eket Offiong, wo wir viele der illegal abgeholzten einheimischen Baumarten wieder einpflanzen wollen. Dann werden auch die Tiere zurückkehren, die Elefanten, Schildkröten und alle anderen. Das ist mein Traum. Mein Lieblingsbaum ist der Stachelannone. Seine Blätter haben eine entzündungshemmende Wirkung – außerdem ist er wunderschön.“
„Klimawandel ist leider keine Priorität der Politik“
Sunday Geofrey: „Seit vier Jahren haben wir in Kamerun eine politische Krise, die dazu führt, dass der Klimawandel keine Priorität hat. Die größte Herausforderung ist für uns deshalb, Ressourcen für unsere junge Initiative zu mobilisieren, finanziell und personell.
Noch immer werden in unserem Land große Wälder abgebrannt, um Land zu gewinnen. Und wenn wir neue Bäume pflanzen, fehlt der Schutz vor den Rinderherden, die durchs Land ziehen. Daher wollen wir die gepflanzten Bäume nun mit Zäunen sichern. Wir haben große Pläne für die Wiederaufforstung. Aber auch die Herausforderungen sind groß. Der Fluss Mbingboh hat zum Beispiel viel Wasser verloren. Er hat 15 Quellen, doch in der Trockenzeit liefert nur noch eine davon Wasser. Dabei hängen vier große Gemeinden direkt davon ab. Die Mbororo, die im Gebiet des Flusses leben, sind Hirten, sie müssen ihre Schaf- und Rinderherden und natürlich auch sich selbst mit Wasser versorgen. Und wenn das Wasser versiegt, müssen die Menschen ihr Zuhause verlassen.
Daher pflanzen wir Bäume, die viel Wasser speichern. Außerdem wollen wir das Bienenzüchten fördern. In den nächsten zehn Jahren soll hier ein ökotouristischer Ort entstehen. Der wunderschöne Wasserfall des Mbingboh soll das Zentrum eines botanischen Gartens werden. Ich habe viele junge Kleinbäuerinnen und Kleinbauern für unser Vorhaben gewinnen können, und wir haben bereits 7000 Bäume gepflanzt.“
„Naturschutz ist auch in der Stadt wichtig“
Laura Mukwhana: „Ich wohne in Kajiado, einem Bezirk, der direkt an Nairobi grenzt, Kenias Hauptstadt. In unserer Gegend sieht man deutlich, wie der Bau von Autobahnen rund um die Metropole die Natur zerstört. Naturschutz ist also auch in Städten wichtig. Der Nairobi National Park wurde für das Autobahnprojekt ‚Southern Bypass‘ einfach durchschnitten, ebenso der Ngong Forest. Dagegen protestieren immer mehr Menschen. Vor allem Jugendliche engagieren sich ehrenamtlich für den Erhalt und die Wiederherstellung der Natur.
Vor Kurzem sollte in Nairobi ein riesiger, mehr als 100 Jahre alter Mugumo-Baum gefällt werden. Der Mugumo-Baum ist für den kenianischen Kikuyu-Stamm, der dort zu seinen Göttern betet, heilig. Die Proteste haben dazu geführt, dass dieser Baum gerettet werden konnte.
Die lokalen Naturschutzgruppen vernetzen sich zunehmend untereinander. Es ist ein gutes Gefühl, jetzt Teil der GLF-Gemeinschaft zu sein. Wir haben dadurch neue Möglichkeiten bekommen, zum Beispiel ein Social-Media-Training erhalten, in dem wir lernten, wie man die eigenen Projekte bekannter machen kann. Auf den internationalen GLF-Konferenzen können wir unsere Arbeit präsentieren – und von den Erfahrungen anderer lernen. Es fühlt sich gut an, nicht allein zu sein.“
„Jedes Ökosystem braucht einzigartigen Schutz“
Emma Jones-Phillipson: „In Südafrika gibt es einen einzigartigen Reichtum an verschiedenen Ökosystemen. Deshalb brauchen die Organisationen, die diese Landschaften schützen, jeweils unterschiedliche Werkzeuge und Methoden. Im Chapter des GLF Kapstadt ist ein neues Netzwerk aus unterschiedlichen Organisationen entstanden, auch unsere NGO Greenpop gehört dazu.
Jede Organisation des Netzwerks hat einen anderen Schwerpunkt. Wir von Greenpop engagieren uns in den Bereichen urbane Begrünung, Wiederaufforstung, Lebensmittelanbau und Umweltbewusstsein. Andere Organisationen kümmern sich um die politische Interessenvertretung oder betreiben Forschung. In der Studie ‚African Climate and Development‘ hat man zum Beispiel bei vielen lokalen Communitys abgefragt, welche naturbasierten Lösungen sie für Probleme kennen, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden. Das Ziel ist zu zeigen, welche Erfahrungen die Menschen vor Ort machen. Diese lokalen, nachhaltigen Methoden haben großes Potenzial. Deshalb müssen wir sie mit anderen GLF-Chaptern teilen.“