„Integration im ländlichen Raum ist eine doppelte Kommunikations-Herausforderung: Wir müssen zeigen, warum der ländliche Raum für Menschen gute Chancen bietet, andererseits müssen wir vermitteln, welche Chance diese Menschen für die ländlichen Regionen sind“, sagte Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Flüchtlinge, Migration und Integration, bei der Eröffnung der Konferenz. Ein konstruktiver Ansatz basiere auf wissenschaftlicher, politischer und praktischer Ebene. Daher müsse man sich fragen, welche Potenziale ländliche Räume für die Integration von Flüchtlingen und Einwanderern bieten. Zwei wesentliche Aspekte seien bezahlbarer Wohnraum auf dem Land und oft bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz in mittelständischen Betrieben. Trotzdem ziehen Neueinwanderer früher oder später tendenziell lieber in Städte. Die Argumente für die Stadt seien weitgehend einheitlich: dort gibt es etablierte und herkunftsbezogene Netzwerke und Angebote.
In ländlichen Gebieten könnten solche Angebote und Strukturen durch eine übergreifende Zusammenarbeit von verschiedenen Trägern übernommen werden. „Konkrete Integrationsmaßnahmen, wie Sprachkurse für unterschiedliche Zielgruppen, oder Angebote für Frauen und Eltern spielen eine enorme Rolle“, bestätigte auch Widmann-Mauz. Die Politikerin schlug entsprechend vor, den Kommunen möglichst viel Kompetenz bei den Kursen zu geben. „Die Akteure vor Ort kennen Angebot und Nachfrage am besten.“ Der Bund gibt 2019 über 720 Millionen Euro für Integrationskurse aus - etwas weniger als 2018 (765 Millionen) und 2017 (859 Millionen). Dafür werden zusätzliche Integrationsmaßnahmen 2019 mit 227 Millionen Euro bezuschusst.
LAND – gute Ideen aus der Praxis
Die beteiligten Landkreise
- Landkreis Coburg: Fachkräfte für die (Alten-)Pflege: Flüchtlinge und Migranten als Zielgruppe
- Vogtlandkreis: Absolventenmanagement für Integrationskursteilnehmer
- Landkreis Goslar: Entwicklung eines modularen Integrations-und Teilhabekonzeptes für den Landkreis
- Landkreis Harz: Integrationsmonitoring / Individualmonitoring im Bereich Flüchtlinge und Neuzuwanderer („Integration und Datenmanagement aus einer Hand“)
- Landkreis Ludwigslust-Parchim: Entwicklung eines dezentralen Migrations-, Integrations-und Teilhabekonzeptes für den Landkreis und die kreisangehörigen Städte und Gemeinden
- Landkreis Prignitz: Zugang und Beteiligung von Flüchtlingen und Neuzuwanderern in Vereinen
Im Landkreis Harz konzentriert sich das Förderprogramm auf Integration und Datenmanagement aus einer Hand. Das vorläufige Fazit ist drastisch: Für Integration fehlt ein kommunales Datenmanagement. „Wir brauchen einen Datenaustauschverbesserungsprozess 3.0“, forderte eine Teilnehmerin. Erste Orientierung gibt es bereits: Wie Kommunen sich auf den Weg machen können, ein individualisiertes kommunales Integrationsmonitoring aufzubauen, und welche Unterstützung es dafür braucht, steht in einer kürzlich veröffentlichten Kurz-Expertise der Robert Bosch Stiftung: Daten vernetzen, Integrationsverläufe individuell erfassen und begleiten.
ZUHAUSE – über die Bindung in ländlichen Räumen
ZUKUNFT – wie gestalten wir das Zusammenleben?
Die Abschlussdiskussion der Konferenz ging auf die Frage „Wie gestalten wir das Zusammenleben?“ ein. „One size fits all gibt es nicht“, sagte Dr. Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat. „Wir brauchen Geduld für die Langfristigkeit und Toleranz für die vielen Rückschläge, mit denen wir umgehen müssen.“
Professorin Dr. Petra Bendel von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg schlug ein europaweites Matching-Verfahren vor: „Kommunen können auf freiwilliger Basis vorab ein Integrationsprofil erstellen und dieses mit den Bedürfnissen, Kenntnissen und Fähigkeiten der Geflüchteten in den Hotspots in Griechenland und Italien abgleichen. So kann man auch viel besser darauf eingehen, was die einzelnen Menschen möchten, können und wo sie leben wollen.“ Dies würde zudem die Innovationskraft der Kommunen stärken, Strukturen verstetigen und die Mitsprache fördern.
Der Goslarer Landrat Thomas Brych sieht in der Abwanderung aus den ländlichen Räumen auch einen Vorteil. „Wir hatten so viel freien Wohnraum, dass wir keine einzige Massenunterkunft einrichten mussten und die Flüchtlinge ganz bewusst dezentral unterbringen konnten.“ Trotzdem sei seinem Landkreis „der große Wurf mit Kontakten zu Einheimischen noch nicht gelungen.“ Es hänge extrem viel an den unterschiedlichen Sprachfähigkeiten. Entsprechend ist seine Prognose wenig überraschend: „Integration dauert fünf Jahre, das würde ich verdoppeln, und richtig gelingen wird das auch erst in der Nachfolgegeneration“.
Ein Zuhause basiert auf Integration und Teilhabe
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Mit „Land.Zuhause.Zukunft“ fördern wir innovative und zukunftsfähige Ansätze für die Integration und Teilhabe von Neuzuwanderern in ländlichen Räumen.