Beispielsweise beschäftigt sich der Landkreis Coburg mit dem Schwerpunkt Flüchtlinge und Migranten als Zielgruppe für die (Alten-)Pflege. Schnell zeigte sich, dass viele kleine Träger überfordert sind, den Menschen beim Ankommen zu helfen. „In der Regel endet die Anwerbung bei der Anwerbung“, so das Zwischenfazit der Teilnehmer. Dabei ist Integration mehr als Integration in den Arbeitsmarkt. „Interkulturelle Integration heißt für uns aber auch, dass wir bei einer 60-Betten-Einrichtung einen Kosovaren, einen Philippiner, einen Syrer und einen Vietnamesen beschäftigen. Da fragt man sich, wie wir das Thema kulturelle Öffnung im Alltag umgesetzt bekommen, auch bei den zu Pflegenden“, so Martina Berger vom Landratsamt Coburg. Eine Idee sei, alle Pflegekräfte aus dem Landkreis an einen Tisch zu bringen und zusätzlich die einheimische Bevölkerung auf die Zuwanderung vorzubereiten.
Im Landkreis Harz konzentriert sich das Förderprogramm auf Integration und Datenmanagement aus einer Hand. Das vorläufige Fazit ist drastisch: Für Integration fehlt ein kommunales Datenmanagement. „Wir brauchen einen Datenaustauschverbesserungsprozess 3.0“, forderte eine Teilnehmerin. Erste Orientierung gibt es bereits: Wie Kommunen sich auf den Weg machen können, ein individualisiertes kommunales Integrationsmonitoring aufzubauen, und welche Unterstützung es dafür braucht, steht in einer kürzlich veröffentlichten Kurz-Expertise der Robert Bosch Stiftung:
Daten vernetzen, Integrationsverläufe individuell erfassen und begleiten.
ZUHAUSE – über die Bindung in ländlichen Räumen
In unterschiedlichen Konferenz-Workshops, an denen Vertreter aus über 40 Landkreisen teilnahmen, wurden praxisbezogene Wünsche und konkrete Empfehlungen formuliert. Klar und deutlich war die Forderung nach mehr Entscheidungsbefugnissen, zumal es nicht den einen ländlichen Raum gibt, der stellvertretend für alle steht, sondern die Anforderungen in jedem Landkreis unterschiedlich sind. Beim Thema Integrationspolitik und Integrationskonzepte wurde beispielsweise deutlich, dass mehr Kompetenzen für kommunale Integrationszuständige gewünscht sind, zum Beispiel bei der Jugendarbeit. Für die Fachkräftesicherung im ländlichen Raum ist ein Ausbau der Infrastruktur unabdingbar. Und bei Orientierungskursen für Zuwanderer sollten gemeinsame Werte und ein pluralistisches Bild vermittelt und keine normative Nachhilfe in Sachen Wertevermittlung gegeben werden.
ZUKUNFT – wie gestalten wir das Zusammenleben?
Die Abschlussdiskussion der Konferenz ging auf die Frage „Wie gestalten wir das Zusammenleben?“ ein. „One size fits all gibt es nicht“, sagte Dr. Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat. „Wir brauchen Geduld für die Langfristigkeit und Toleranz für die vielen Rückschläge, mit denen wir umgehen müssen.“
Professorin Dr. Petra Bendel von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg schlug ein europaweites Matching-Verfahren vor: „Kommunen können auf freiwilliger Basis vorab ein Integrationsprofil erstellen und dieses mit den Bedürfnissen, Kenntnissen und Fähigkeiten der Geflüchteten in den Hotspots in Griechenland und Italien abgleichen. So kann man auch viel besser darauf eingehen, was die einzelnen Menschen möchten, können und wo sie leben wollen.“ Dies würde zudem die Innovationskraft der Kommunen stärken, Strukturen verstetigen und die Mitsprache fördern.