Zivilgesellschaftliche Organisationen blicken optimistisch in die Zukunft – trotz schwieriger Rahmenbedingungen

  • Große Zuversicht und hohes Engagement: Eine bundesweite Befragung der Robert Bosch Stiftung zeigt, dass 72 Prozent der zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland optimistisch in die Zukunft ihrer Organisation blicken. Ihre Zuversicht speist sich vor allem aus dem Engagement ihrer Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen und der direkten Wirkung ihrer Arbeit.
  • Strukturelle Belastungen sind hoch: Neben Bürokratie und hohem Verwaltungsaufwand (73 Prozent), Finanzierungsfragen (64 %) und Personalmangel (60 %) nehmen viele Akteure gesellschaftliche Polarisierung (46 %) und mangelnde politische Unterstützung (54 %) als Belastung wahr. 16 Prozent der Befragten berichten von Hass oder Anfeindungen gegen ihre Organisation oder gegen Vertreter:innen ihrer Organisation.
  • Forderung nach verlässlichen Rahmenbedingungen: Um ihren Beitrag zum Gemeinwohl langfristig zu sichern, benötigt die Zivilgesellschaft eine verlässliche Finanzierung und den Schutz vor politischer Instrumentalisierung. Dazu gehören sowohl eine Modernisierung des Gemeinnützigkeitsrechts als auch flexible, langfristige Finanzierungsmechanismen wie z.B. die Einrichtung des Deutschen Fonds für Demokratie, der langfristiges Engagement absichert und Planungssicherheit schafft.

Stuttgart/Berlin, 04. November 2026 – Die organisierte Zivilgesellschaft in Deutschland ist trotz vielfältiger Herausforderungen bemerkenswert widerstandsfähig und zukunftsorientiert. Das zeigt das erstmals veröffentlichte Zuversichtsbarometer der Robert Bosch Stiftung. Für die bundesweite Erhebung befragte forsa bundesweit 754 Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Stiftungen und anderen gemeinnützigen Organisationen. Sie engagieren sich in einem breiten Spektrum gesellschaftlicher Themenfelder, darunter Wohlfahrt, Bildung, Umwelt, Kultur und Sport. 

Mit Blick auf die Zukunft ihrer eigenen Organisation zeigen sich die Befragten überwiegend optimistisch: 72 Prozent blicken insgesamt zuversichtlich nach vorn. Diese Zuversicht speist sich vor allem aus den eigenen Erfahrungen und Ressourcen: 94 Prozent nennen das Engagement ihrer Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen als wichtigste Quelle der Ermutigung. Positive Rückmeldungen der Zielgruppen (92 Prozent) sowie konkrete Erfolge und die sichtbare Wirkung der eigenen Arbeit (90 Prozent) stärken ebenfalls das Vertrauen in die Zukunft.

Finanzierungfragen, Personalmangel, Polarisierung und Anfeindungen belasten Organisationen

Das Zuversichtsbarometer zeigt jedoch auch, dass die Rahmenbedingungen für das zivilgesellschaftliche Engagement anspruchsvoll sind. Neben strukturellen Problemen wie Bürokratie und hohem Verwaltungsaufwand (73 %), unsicherer Finanzierung (64 %) und Personalmangel sowie Überlastung der Mitarbeitenden (60 %) erschweren auch gesellschaftliche Entwicklungen die Arbeit vieler Organisationen. Fast die Hälfte der Befragten (46 %) nennt die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung als Belastung für die tägliche Arbeit. Mehr als jede zweite Organisation (54 %) nimmt zudem eine mangelnde politische Unterstützung wahr. 16 Prozent berichten von einer Belastung durch direkte Anfeindungen oder Hass gegenüber der eigenen Organisation oder einzelnen Mitwirkenden.
„Zivilgesellschaftliche Akteure leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie zeigen Mut, Verantwortung und Gestaltungswillen und stärken damit das Gemeinwohl. Ihr Optimismus ist eine gute Nachricht“, sagt Ottilie Bälz, Leiterin des Fördergebiets Globale Fragen der Robert Bosch Stiftung. Gleichzeitig wachse der Druck auf zivilgesellschaftliche Akteure. Die Zivilgesellschaft sei enorm breit aufgestellt: Während große Wohlfahrtsverbände meist stabil arbeiten, stünden kleinere Initiativen, die sich vor Ort gegen Extremismus und Hass engagieren, vor spürbar raueren Bedingungen. Bälz fordert: „Damit sie ihre Rolle langfristig ausfüllen können, brauchen sie verlässliche Strukturen. Das gilt besonders dort, wo staatliche Förderung wegbricht oder Organisationen unter gesellschaftlichen und politischen Druck geraten. Eine starke Demokratie braucht eine handlungsfähige und unabhängige Zivilgesellschaft.“

Verlässliche Strukturen und Rechtssicherheit sichern gesellschaftlichen Zusammenhalt

Zu den Voraussetzungen für eine starke Zivilgesellschaft gehören neben langfristigen Förder- und Unterstützungsangeboten auch klare rechtliche Rahmenbedingungen. Sie ermöglichen Organisationen, sich wirksam in gesellschaftliche Debatten einzubringen, demokratische Teilhabe zu fördern und ihre Expertise in politische Entscheidungsprozesse einzuspeisen. „Eine Modernisierung des Gemeinnützigkeitsrechts ist notwendig, damit zivilgesellschaftliche Organisationen mehr Rechtssicherheit für ihr gesellschaftspolitisches Engagement erhalten”, fordert Ottilie Bälz.
Um finanzielle Unsicherheiten und politischen Druck abzufedern, brauche es darüber hinaus starke Partnerschaften für die Demokratie. Vor diesem Hintergrund wurde der Deutsche Fonds für Demokratie im Frühjahr 2026 ins Leben gerufen. Er unterstützt Organisationen, die durch den Wegfall von Fördermitteln oder politische Repression unter Druck geraten sind, insbesondere nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Die Robert Bosch Stiftung beteiligt sich als erste Stiftung am Fonds und stellt hierfür 800.000 Euro bereit. Gefördert werden unter anderem Personal-, Miet- und Infrastrukturkosten, um die Handlungsfähigkeit demokratischer Initiativen vor Ort direkt zu sichern.

Bild
Illustration zum Zuversichtsbarometer 2026: Eine Person blickt durch ein Fernrohr auf einen nach rechts oben gerichteten Pfeil.

Zuversichtsbarometer 2026

Wie zuversichtlich blickt die organisierte Zivilgesellschaft in Deutschland in die eigene Zukunft? Das Zuversichtsbarometer gibt Antworten. Es zeigt, was Organisationen für ihre Zukunft erwarten, welche Herausforderungen sie beschäftigen und was ihnen Zuversicht gibt. Impulse aus der Praxis ergänzen die Befunde und ordnen sie ein.

Robert Bosch Stiftung

Ottilie Bälz, Isabel Gahren, Dr. Josefa Kny, Andreas Willisch, Dr. Ellen Ehmke

Deutsch 2026 35 S. Resilienz

Über das Zuversichtsbarometer

Die Robert Bosch Stiftung legt erstmals eine bundesweite Bestandsaufnahme zur Zukunftserwartung zivilgesellschaftlicher Organisationen in Deutschland vor. Ziel der Befragung ist es, sichtbar zu machen, welche Herausforderungen Organisationen wahrnehmen, welche Faktoren ihre Zuversicht stärken und wie sie ihre künftige Handlungsfähigkeit einschätzen.

Im Auftrag der Robert Bosch Stiftung befragte forsa bundesweit 754 Vertreterinnen und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen, darunter eingetragene Vereine (e. V.), Stiftungen und gemeinnützige GmbHs (gGmbHs). Die Erhebung wurde vom 10. August bis 4. September 2026 mittels computergestützter Telefoninterviews (CATI) durchgeführt.

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Stefanie Kaufmann-Dimeski

Stefanie Kaufmann Dimeski (Presse)

Referentin

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