In einer Zeit, die von vielfältigen Krisen und tiefgreifenden Umbrüchen geprägt ist, geht es darum, aktiv Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen: für eine Zukunft, die planetare Grenzen respektiert und ein gutes, friedliches Leben in Würde für alle ermöglicht. Die Robert Bosch Stiftung stärkt Akteure und Organisationen darin, selbstwirksam und zukunftsorientiert zu handeln. Die organisierte Zivilgesellschaft spielt dabei eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, positiven Wandel voranzutreiben.
Im Zuversichtsbarometer stellt die Robert Bosch Stiftung die Frage: Wie zuversichtlich blicken die Akteure auf ihr eigenes Handeln? Und was gibt ihnen die Kraft, sich weiter zu engagieren? Die Antworten der Befragung zeigen eine enorme Stärke der Zivilgesellschaft, die in öffentlichen und politischen Debatten oft unterschätzt wird. Während in der öffentlichen Debatte häufig strukturelle Herausforderungen und finanzielle Engpässe im Mittelpunkt stehen, macht das Zuversichtsbarometer eine andere, oft weniger sichtbare Stärke des Sektors deutlich: die Haltung und den Zusammenhalt der Engagierten. Die Zivilgesellschaft steht eng zusammen und ist voller Tatendrang – obwohl die Belastungen im Alltag spürbar zunehmen.
Die Quelle der Kraft – was der Zivilgesellschaft Zuversicht gibt
Die zentrale Erkenntnis des Zuversichtsbarometers ist ein beeindruckendes Votum für die Zukunft: 72 Prozent der Organisationen blicken zuversichtlich nach vorn. Dieser Optimismus ist nicht naiv, sondern fest im täglichen Handeln verankert. Er speist sich aus der direkten Erfahrung, dass Engagement wirkt – eine Grundhaltung, die gerade in Krisenzeiten das Fundament für ein stabiles Miteinander bildet.
„Zivilgesellschaftliche Akteure leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie zeigen Mut, Verantwortung und Gestaltungswillen und stärken damit das Gemeinwohl. Ihr Optimismus ist eine gute Nachricht."
Das Engagement der eigenen Mitarbeitenden (94 Prozent) und positive Rückmeldungen der Zielgruppen (92 Prozent) tragen besonders stark zur Zuversicht bei. Die Befragung verdeutlicht, dass das direkte Erleben von positivem Wandel vor Ort die wichtigste Ressource gegen Frustration und Mutlosigkeit darstellt.
Gute Ideen stoßen an harte Grenzen
Gleichzeitig zeigt die Studie ungeschönt die andere Seite der Medaille. Das Zuversichtsbarometer legt eine zentrale Herausforderung offen: die Kluft zwischen dem Willen zur Gestaltung und den Möglichkeiten der Umsetzung. Während 76 Prozent der Organisationen angeben, klare Ideen für eine bessere Zukunft zu haben, bewerten sie die tatsächliche Umsetzbarkeit dieser Ideen auf einer Skala von 0 bis 10 nur mit einem durchschnittlichen Wert von 6,2.
Grund dafür sind strukturelle Hürden: vor allem Bürokratie, eine unsichere Finanzierung und Personalmangel bremsen den Tatendrang. Alarmierend ist zudem, dass jede sechste Organisation (16 %) von direkten Anfeindungen und Hass berichtet. Dieses raue gesellschaftliche Klima gefährdet nicht nur einzelne Projekte, sondern die Substanz des demokratischen Miteinanders. Die Zuversicht der Engagierten ist eine wertvolle, aber keine unendliche Ressource.
Wie wir den Rücken freihalten können
Aus den Ergebnissen des Zuversichtsbarometers ergibt sich für uns ein klarer Handlungsauftrag. Wir sind überzeugt: Eine starke Demokratie braucht eine handlungsfähige und lebendige Zivilgesellschaft. Deshalb müssen die Rahmenbedingungen dringend verbessert werden.
Als Robert Bosch Stiftung setzen wir daher auf Vertrauen und Flexibilität in unseren Förderungen: weg von kurzfristigen Projekten, hin zu langfristigen, partnerschaftlichen Beziehungen. Wir wollen den Organisationen mit flexiblen Mitteln und institutioneller Förderung den Rücken freihalten, damit sie ihre volle Gestaltungskraft entfalten können.
Zwei politische Hebel sind dabei zentral, die wir aktiv unterstützen:
Sicherheit für Engagement schaffen: Es braucht eine zeitgemäße Weiterentwicklung des Gemeinnützigkeitsrechts. Klare und zeitgemäße Rahmenbedingungen helfen Vereinen und Initiativen, ihre wertvolle Expertise rechtssicher und ohne unnötige bürokratische Hürden in gesellschaftliche Debatten einzubringen.
Finanzierung verstetigen: Es braucht verlässliche, unbürokratische Förderstrukturen, um die demokratische Infrastruktur vor Ort zu sichern. Ein Beispiel ist der Deutsche Fonds für Demokratie, an dem wir uns gemeinsam mit anderen Stiftungen beteiligen.
Das Zuversichtsbarometer ist eine Momentaufnahme, aber vor allem ein Appell: Es zeigt uns eine Zivilgesellschaft, die bereit ist, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass sie es auch kann.