Frau Bürgermeisterin Sackey, dieses Jahr könnte wieder eines der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Mit welchen Auswirkungen des Klimawandels sind Sie in Ihrer Stadt konfrontiert?
Elizabeth Kwatsoe Tawiah Sackey: In der Vergangenheit haben in Accra verheerende Überschwemmungen Häuser zerstört und Menschenleben gekostet. In vielen unserer Küstenorte beginnen sich die Küstenlinien zurückzubilden. Das wirkt sich besonders negativ auf die informellen Siedlungen am Stadtrand aus, in denen viele Migrant:innen aus dem In- und Ausland leben. Sie sind dadurch beispielsweise stärker Krankheiten ausgesetzt, die durch verschmutztes Wasser übertragen werden, und sind weniger dazu in der Lage, gut mit wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen umzugehen.
Was tut die Stadt Accra dagegen?
Wir haben eine nationale Organisation für Katastrophenmanagement. Sie ist darauf ausgerichtet, auf Katastrophen wie Überschwemmungen zu reagieren und arbeitet an der Überwachung von Katastrophenplänen, um uns vorzuwarnen. Die Stadt hat außerdem diverse Projekte ins Leben gerufen. Zum Beispiel baggern wir Wasserstraßen und Rinnen aus oder haben eine Kampagne gestartet mit dem Ziel, das Verhalten der Menschen zu ändern: Sie werden beispielsweise aufgefordert, ihren Müll nicht in die Kanalisation zu werfen.
In Ihrer Stadt lebt - wie in vielen Metropolen der Welt - ein Teil der Bevölkerung in informellen Siedlungen. Was sind die größten Herausforderungen in diesen Vierteln?
In der Tat sind etwa 58 % der Siedlungen in der Stadt informeller Art. Grund dafür sind sowohl das Bevölkerungswachstum wie auch Migration; beides hat zu Wohnraummangel geführt. Die Bewohner:innen informeller Siedlungen haben nur eingeschränkten Zugang zu einigen der grundlegendsten sozialen Errungenschaften wie einer funktionierenden Abfallentsorgung. Daher arbeitet die Stadt an der Verbesserung ihrer Abfallentsorgung, indem sie beispielsweise Mülltrennung einführt und eine Kompostieranlage einrichtet. Darüber hinaus bemühen wir uns, den Menschen Zugang zu finanziellen Hilfen zu verschaffen. Ein Beispiel ist ein staatliches Identifikationssystem, das ihnen auch ermöglichen wird, in der staatlichen Krankenversicherung aufgenommen zu werden und Betreuungsmöglichkeiten für Kinder zu erhalten.
Die Stadt Accra erhält Gelder aus dem Global Cities Fund for Migrants and Refugees, um die Lebenssituation von Menschen zu verbessern, die aufgrund des Klimawandels migrieren. Was wird in diesem Projekt passieren?
Ich bin unglaublich stolz darauf, dass Accra zu den ersten Städten zählt, die Gelder aus dem Global Cities Fund for Inclusive Climate Action erhält. Mit dieser Unterstützung werden wir mehr Jobs für Migrant:innen und marginalisierte Ghanaer:innen schaffen. Damit wollen wir die Widerstandsfähigkeit unserer Wirtschaft angesichts der Auswirkungen des Klimawandels stärken und die Arbeitsbedingungen im informellen Abfallsektor verbessern. Dazu werden wir das Müllsammeln formal als Beschäftigung anerkennen, Migrant:innen Zugang zu medizinischer Versorgung gewähren und Kinderbetreuungsmöglichkeiten schaffen, während ihre Eltern in der Nähe arbeiten.
„Ich werde den Globalen Norden auffordern, Afrika endlich als geeinte Kraft im Kampf gegen den Klimawandel zu sehen.“
Sie sind Mitglied des Mayors Migration Council – einem internationalen Zusammenschluss von Bürgermeister:innen – und werden an der COP27 teilnehmen. Was ist die Hauptbotschaft, die Sie dort vermitteln möchten?
Während die Gelder aus dem Global Cities Fund dazu beitragen, dass wir in Accra Maßnahmen rund um das Thema Klimamigration ergreifen können, haben viele andere Kommunen immer noch Schwierigkeiten, für angemessene Lebensverhältnisse von Migrant:innen und informell Beschäftigten zu sorgen. Ich zähle deshalb darauf, auf der COP27 mit anderen Bürgermeister:innen auf der globalen Bühne zusammenzukommen und den Fokus auf das zu richten, was wir für wichtig halten: widerstandsfähige und anpassungsfähige Städte zu schaffen, Lücken in der internationalen Finanzierung zu schließen und die Förderung von Städten, die Migrant:innen Perspektiven bieten. Zudem wollen wir unsere Arbeit vorstellen, mit der wir vom Klimawandel betroffenen Migrant:innen helfen.
Ich werde den Globalen Norden auffordern, Afrika endlich als geeinte Kraft im Kampf gegen den Klimawandel zu sehen. Und wir werden zur Zusammenarbeit und zu entschiedenen Bemühungen aufrufen, die bisherige Kluft zwischen Globalem Norden und Süden durch politische Maßnahmen, Zugang zu Finanzmitteln und den Austausch über Best Practices zu schließen.