Alle Kinder können in Deutschland einen guten Schulabschluss erreichen und ihre Potentiale voll ausschöpfen – zumindest in der Theorie. In der Wirklichkeit bleiben höhere Bildungsabschlüsse vielen Schüler:innen verwehrt. Denn Bildungserfolg hängt nicht nur von Fleiß, Begabung und Intelligenz ab. Es gibt dabei eine auch starke soziale Schlagseite: Noch immer entscheidet die Herkunft der Schüler:innen deutlich über ihre Bildungschancen. Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern oder mit einem Migrationshintergrund erhalten in unserem Bildungssystem weniger Chancen, eine gute Bildung zu bekommen als ihre Mitschüler:innen aus besser gestellten Familien oder ohne Migrationshintergrund. Und auch Jungen und Mädchen haben in verschiedenen Bereichen unterschiedliche Bildungschancen.
Das Problem der ungenügenden Bildungsgerechtigkeit ist nicht neu, sondern seit Jahrzehnten durch wissenschaftliche Studien belegt. Doch Fragen nach Bildungsgerechtigkeit werden immer wichtiger, denn in unserer hoch entwickelten Gesellschaft ist Bildung eine entscheidende Grundlage für die individuelle Lebensplanung, die Ausbildung von Fachkräften und die gesellschaftliche Teilhabe.
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Prozent der 20-jährigen aus Familien mit hohem sozioökonomischen Status erreichen die Hochschulreife
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Prozent der 20-jährigen aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status erreichen die Hoschschulreife (Quelle: Nationaler Bildungsbericht 2022)
Was ist eigentlich Bildungsgerechtigkeit?
Wie eine Gesellschaft Bildungsgerechtigkeit definiert, hängt davon ab, was sie allgemein unter Gerechtigkeit versteht. Die Frage, ob ein Bildungssystem gerecht ist, wird deshalb im Lauf der Zeit immer wieder unterschiedlich beantwortet. So wurde es beispielsweise in früheren Zeiten nicht als ungerecht empfunden, dass Mädchen eine schlechtere Schulbildung bekamen als Jungen. Heute verstehen wir unter Bildungsgerechtigkeit, alle Schüler:innen unabhängig von sozialer oder ethnischer Herkunft, Geschlecht und Begabung möglichst optimal zu fördern. Dafür soll jedes Kind in Schule und Unterricht differenzierte Lernangebote erhalten, die seinen individuellen Lernvoraussetzungen entsprechen.