Migration ist ein Dauerthema in Deutschland, doch Umfragen beleuchten oft nur die Meinung zur aktuellen Politik, nicht die grundlegenden Einstellungen der Menschen. Eine neue Studie von More in Common, gefördert von der Robert Bosch Stiftung, zeigt, welche Werte den Menschen in der Migrationspolitik wichtig sind. Das Bild ist differenzierter als die politische Debatte vermuten lässt.
Zentrale Anliegen: Kontrolle, Beiträge und Empathie
Die repräsentative Studie identifiziert drei zentrale Anliegen quer durch alle Gesellschaftsschichten in der Migrationspolitik: Erstens mehr Kontrolle (das heißt Handlungs- und Gestaltungsmacht), zweitens aktive Beiträge der Neuankommenden zur Gesellschaft und drittens Empathie gegenüber Notleidenden. Menschen denken dabei nicht in einer „Ja-Nein-Logik“, sondern versuchen, diese Prioritäten in Einklang zu bringen.
73%
der Befragten unterstützen Flüchtlingsschutz
Übereinstimmungen jenseits politischer Gräben
Für die deutsche Migrationspolitik, insbesondere die intensiv debattierte Fluchtmigration, bedeutet dies: Es gibt Übereinstimmungen jenseits politischer Gräben. Für eine Mehrheit ist die Kontrolle darüber, wer nach Deutschland einwandert und wer nicht, wichtiger als die Einwanderungszahlen lediglich zu reduzieren (61 Prozent zu 29 Prozent). Gleichzeitig unterstützen 73% aller Befragten das Prinzip des Flüchtlingsschutzes. 45% befürworten sichere und legale Migrationswege für Flüchtlinge in Kombination mit Grenzkontrollen. 27% wünschen sich verstärkte Grenzkontrollen, während 19% für verbesserte, sichere und reguläre Wege für schutzsuchende Flüchtlinge plädieren.
61%
befürworten eine kontrollierte Einwanderung
Zuwanderung mit sicherer und regulärer Migration
Es geht also um eine bessere Gestaltung der Zuwanderung, die Anliegen wie Kontrolle, Empathie und die Beiträge der Neuankommenden abwägt. Das heißt beispielsweise, dass aus Sicht von Dreiviertel der Befragten ausreisepflichtigen Personen konsequent abgeschoben werden sollen. Die Hälfte der Befragten wünscht sich integrationsfördernde Maßnahmen wie Sprachkurse. Außerdem zeigt die Forschung, dass viele Menschen die Themen Einwanderung und Stärkung der Wirtschaft zusammendenken. So wird der Einsatz von Arbeitskräften in Schlüsselindustrien als wichtigster Vorteil von Migration für Deutschland gesehen.
Hier setzt die Stiftungsarbeit zur Migration an: Wir engagieren uns für eine Migrationspolitik, die Menschenwürde wahrt und den Mehrwert gesteuerter Migration für Wirtschaft, Wohlstand und Gesellschaft aufzeigt. Neben einem individuellen Recht auf Asyl sind freiwillige humanitäre Aufnahmeprogramme und ergänzende Migrationswege, wie beispielsweise die Arbeitsmigration geflüchteter Fachkräfte, zentrale Bausteine hierfür.