Lehrkräfte stehen unter enormem Druck

Die Corona-Pandemie und der Lehrkräftemangel haben an deutschen Schulen tiefe Spuren hinterlassen: Eine repräsentative Umfrage der Robert Bosch Stiftung zeigt eine alarmierend hohe Arbeitsbelastung bei Lehrkräften.

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Wie sehr sind Lehrkräfte in Deutschland belastet? Welche Lehrkräfte betrifft dies besonders und wie schlagen sich die Belastungen auf die Gesundheit der Fachkräfte nieder? Die Ergebnisse der vierten repräsentativen Befragung des Deutschen Schulbarometers zeigen: Eine überwältigende Mehrheit der Lehrkräfte erlebt das Kollegium (92 Prozent) und sich selbst (84 Prozent) als derzeit stark oder sehr stark belastet. Für über drei Viertel der Lehrkräfte ist Wochenendarbeit die Regel und für die Mehrheit eine Erholung in der Freizeit kaum noch möglich.

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Schulbarometer_Arbeitsbelastung

Die hohe Arbeitsbelastung bleibt nicht ohne Folgen: Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte leidet (sehr) häufig unter körperlicher Erschöpfung und Müdigkeit. Knapp jede zweite Lehrkräft ist außerdem von innerer Unruhe und Nackenschmerzen betroffen, ein Drittel leidet unter Schlafstörungen. Angesichts des Lehrermangels und der hohen Werte des Belastungserlebens fragten wir, wie viele Lehrkräfte für das kommende Schuljahr ihre Deputatsstunden reduzieren wollen. Im Ergebnis plant mehr als jede zehnte Lehrkraft , im kommenden Schuljahr weniger zu arbeiten. „Lehrkräfte stehen enorm unter Druck. Sie müssen die Digitalisierung im Rekordtempo nachholen, Corona-Richtlinien überwachen, Lernrückstände aufarbeiten, einen Fachkräftemangel abfedern und eine steigende Zahl von geflüchteten ukrainischen Kindern und Jugendlichen in die Schulen integrieren,“ sagt Dr. Dagmar Wolf, Bereichsleitung Bildung der Robert Bosch Stiftung.

 

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Schulbarometer_Arbeitszeit_2022

Auch schätzen fast alle Lehrkräfte, dass negative Verhaltensweisen der Schüler:innen seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 zugenommen haben. Im Vergleich zur Befragung des Deutschen Schulbarometers im September 2021 ist dieser Anteil noch einmal gestiegen. So berichten jetzt 80 Prozent der Befragten von einer starken Zunahme von Konzentrations- und Motivationsproblemen (2021: 67 Prozent). Fast doppelt so viele Lehrkräfte wie vor einem halben Jahr beobachten aggressives Verhalten bei ihren Schüler:innen. Befragt nach Hilfsangeboten für die Kinder und Jugendlichen verweisen fast drei Viertel der Lehrkräfte auf Angebote der Schulsozialarbeit. Sprechstunden von Schulpsycholog:innen finden an fast der Hälfte der Gymnasien und Berufsschulen statt, jedoch lediglich an einem Drittel der Haupt-, Real- und Gesamtschulen und an einem Viertel der Grundschulen.

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Schulbarometer_Verhalten_2022

Ein zeitlicher Vergleich zwischen September 2021 und April 2022 zeigt außerdem, dass die Lehrkräfte den Anteil der Schüler:innen mit deutlichen Lernrückständen inzwischen deutlich höher schätzen (September 2021: 33 Prozent, April 2022: 41 Prozent). Das betrifft vor allem Schulen, in denen mehr als die Hälfte der Schülerschaft eine andere Familiensprache als Deutsch spricht. Drei Viertel der Lehrkräfte geben an, dass Schüler:innen an ihrer Schule aktuell nicht die Unterstützung erhalten, die nötig wäre, um vorhandene Lernlücken zu schließen. Ebenso viele sind der Meinung, dass die Förderung des psychischen Wohlbefindens wichtiger sein sollte als das Erfüllen der Lehrpläne. Die gute Nachricht: Trotz der zahlreichen Herausforderungen und hohen Belastungen sind rund drei Viertel der Lehrkräfte mit ihrem Beruf zufrieden.

 

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Dagmar Wolff rund 500

„Lehrer:in wird man aus Überzeugung. Aber chronische Überlastung macht auf Dauer krank und unzufrieden. Schulen benötigen deshalb dringend zusätzliches Personal. Dazu gehören Sozialpädagog:innen und Schulsozialarbeiter:innen, aber auch Verwaltungskräfte, die die Schulleitungen entlasten.“

 

Dr. Dagmar Wolf, Bereichsleitung Bildung der Robert Bosch Stiftung

Zum Zeitpunkt der Befragung im April 2022 stellt die Bewältigung von Corona-Maßnahmen die größte Herausforderung für die Lehrkräfte dar (38 Prozent). Es folgen der Lehrkräftemangel (26 Prozent) und das Verhalten der Schüler:innen (21 Prozent).

Das Deutsche Schulbarometer

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