REFORM
Über das Projekt
International gilt: Wie ein Bildungssystem strukturell organisiert ist, hat großen Einfluss darauf, wie gut es zukünftige Generationen mit hochwertiger Bildung versorgen kann. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Bildungsverwaltung, sie ist aufgrund ihrer rechtlich-administrativen Verankerung eine Gelenkstelle zwischen politischen Entscheidungsebenen und der konkreten Bildungspraxis.
Trotz ihrer Bedeutung wissen wir bisher jedoch wenig über die tatsächlichen Strukturen der Bildungsadministration. Zwar sind im deutschen, hierarchisch aufgebauten Bildungssystem – vom Ministerium über Verwaltungsebenen (z. B. Schulämter) bis hin zu Schulen – Zuständigkeiten und Abläufe formal in Gesetzen, Verordnungen oder Organigrammen festgelegt. Gleichzeitig wird immer häufiger kritisiert, dass das System in der Praxis dysfunktional, intransparent und durch unklare Zuständigkeiten geprägt ist.
Ausgangspunkt des Forschungsprojekts „REFORM – Mapping von Formal- und Realstrukturen der Bildungsadministration“ ist eine organisationstheoretische Unterscheidung zwischen
- formalen Strukturen (z. B. Gesetze, Verordnungen, Organigramme) und
- informalen Strukturen (z. B. mündliche Absprachen).
Aufgrund des im Grundgesetz verankerten staatlichen Bildungsauftrags und des damit verbundenen Gebots der Gleichbehandlung tritt im Bildungsbereich, so die Projektthese, eine dritte Strukturebene hinzu: Realstrukturen. Diese umfassen intern formalisierte Abläufe wie Abstimmungsroutinen oder Zuständigkeitsverteilungen, die nach außen hin nicht sichtbar sind und daher informal wirken – innerhalb der Organisation aber klar geregelt und bindend sind. Diese Realstrukturen wurden bislang in der empirischen Bildungsforschung nicht untersucht. Doch genau diese Forschung ist notwendig, um einschätzen zu können, ob und wenn ja, inwiefern Strukturen der Bildungsverwaltung funktional oder dysfunktional sind.
Warum fördern wir das Projekt?
Die Relevanz des Themas ergibt sich aus dem Unterschied zwischen rechtlich definierten Verwaltungsstrukturen und -prozessen einerseits und der Verwaltungspraxis im Bildungsbereich andererseits. Viele zentrale Steuerungsprozesse werden maßgeblich von internen Abläufen, Zuständigkeitszuweisungen und Entscheidungslogiken bestimmt, die bislang kaum empirisch erfasst sind. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Realstrukturen ist daher notwendig, um bildungsadministrative Mechanismen besser zu verstehen und fundierte Ansatzpunkte für eine evidenzbasierte Weiterentwicklung der Verwaltungspraxis zu gewinnen.
Was ist das Ziel?
Das Projekt geht der Frage nach, inwiefern sich die realen organisationalen Strukturen von an Bildungsentscheidungen beteiligten Teilinstitutionen zur Formalstruktur unterscheiden. Die Ergebnisse des Projekts sollen einen Mehrwert für Akteur:innengruppen auf allen Ebenen des Bildungssystems bieten. Wissenschaftsseitig leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung eines blinden Flecks der empirischen Bildungsforschung: der Bildungsadministration.
Wie ist der Ablauf?
Aufgrund des explorativen Grundlagencharakters des Projekts wird zunächst der formale Aufbau der Bildungsverwaltung in zwei Bundesländern untersucht. Dazu werden einschlägige Dokumente analysiert und Expert:inneninterviews geführt (Modul I). Auf Basis dieser Formalstrukturen werden anschließend explorativ Mapping-Leitfäden nach dem Vorbild des ‚system mappings‘ entwickelt und in denselben Bundesländern eingesetzt (Modul II).
Das Projekt ist insgesamt auf drei Jahre angelegt (12/2025–11/2028).
Ihre Ansprechpartner:innen
Vincent Steinl_Expert
Senior Expert Zukunftsfähiges Bildungssystem
Dr. Julia Hugo
Projektleitung
Universität Konstanz
Angelina Heine
Projektkoordination
Universität Konstanz